Gemeinderat der Stadt Zürich

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Überbauung Stadtraum HB, Benennung eines Maurice-Bavaud-Platzes anstelle des geplanten Le-Corbusier-Platzes

GR Nummer 2010/426
Geschäftsart Postulat
Eingereicht durch

Aktueller Stand

Pendent bei
Stadtrat
Zuständiges Departement Polizeidepartement (PD)

Ablaufschritte

DatumDetails
01.09.2021Nichtabschreibung

Text siehe unter GR Nr. 2021/119 (Verknüpfte Geschäfte, Beilage zum Kommissionsantrag)

Beschlussnummer: 4308
25.11.2020Nichtabschreibung

Text siehe unter GR Nr. 2020/101 (Verknüpfte Geschäfte, Beilage zum Kommissionsantrag)

Beschlussnummer: 3234
23.10.2019Nichtabschreibung

Text siehe unter GR Nr. 2019/119 (Verknüpfte Geschäfte, Beilage zum Kommissionsantrag)

Beschlussnummer: 1783
31.08.2011Überweisung, Frist 24 Monate

2010/426

Postulat von Simon Kälin (Parteilos) vom 06.10.2010:
Überbauung Stadtraum HB, Benennung eines Maurice-Bavaud-Platzes anstelle des geplanten Le-Corbusier-Platzes
 
Text siehe Dokumente
Dokumente: 2010_0426 Protokollauszug substanziell.pdf (118 KB) 2010_0426 Protokollauszug Beschluss.pdf (113 KB)
Beschlussnummer: 1681
10.11.2010Ablehnung, beantragt

2010/426

Postulat von Simon Kälin (Parteilos) vom 06.10.2010:
Überbauung Stadtraum HB, Benennung eines Maurice-Bavaud-Platzes anstelle des geplanten Le-Corbusier-Platzes

 

Gemäss schriftlicher Mitteilung ist der Vorsteher des Polizeidepartements namens des Stadtrats bereit, das Postulat zur Prüfung entgegenzunehmen.

 

Namens der SVP-Fraktion stellt Mauro Tuena (SVP) den Ablehnungsantrag.

 

Damit ist das Geschäft vertagt.

 

Mitteilung an den Stadtrat

Beschlussnummer: 712
28.10.2010Stadtrat, Entgegennahme
06.10.2010Eingang, Frist 3 Monate
2010/426
Postulat von Simon Kälin (Parteilos) vom 06.10.2010:
Überbauung Stadtraum HB, Benennung eines Maurice-Bavaud-Platzes anstelle des geplanten Le-Corbusier-Platzes
 
Von Simon Kälin (Parteilos) ist am 6. Oktober 2010 folgendes Postulat eingereicht worden:
 
Der Stadtrat wird gebeten zu prüfen, wie bei der Überbauung „Stadtraum HB“ auf die Benennung eines Le-Corbusier-Platzes verzichtet und der Platz an prominenter Lage zwischen Sihlpost und Hauptbahnhof stattdessen nach Maurice Bavaud benannt werden kann.
 
Begründung:
Unmittelbar vor Beginn der Reichskristallnacht, am 9. November 1938, versuchte der 22-jährige Neuenburger Theologiestudent Maurice Bavaud vergeblich, Adolf Hitler anlässlich eines Aufmarsches der Nazis vor der Feldherrenhalle in München mit einem Revolver zu töten. Eine Woche später wurde er verhaftet, von der Gestapo verhört und ins Gefängnis Augsburg verbracht. Im Prozess nannte Bavaud als Motiv, er betrachte den deutschen Führer als Gefahr für die Menschheit und die Unabhängigkeit der Schweiz. Er habe mit seiner Tat der Menschheit „und der gesamten Christenheit“ einen Dienst erweisen wollen. Seine konsequente Haltung und seinen Mut bezahlte Maurice Bavaud mit dem Leben. Am 18. Dezember 1938 wurde er vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und am 14. Mai 1941 im Gefängnis Berlin-Plötzensee hingerichtet.
Der Schweizer Gesandte in Berlin hatte das Attentat als „verabscheuungswürdige Tat“ verurteilt und sich geweigert, Bavaud zu besuchen oder sich für ihn einzusetzen. Das Militärdepartement lehnte es ab, Bavaud gegen einen der im Sommer 1940 auf Schweizer Boden verhafteten deutschen Saboteure auszutauschen. Aus Dokumenten geht hervor, dass die Schweizer Behörden Bavaud nicht nur im Stich gelassen, sondern auf Ersuchen der Gestapo sogar gegen ihn ermittelt hatten.
Nationalrat Paul Rechsteiner forderte aus Anlass des 70. Jahrestags des Attentats im Herbst 2008 den Bundesrat per Motion zu einer Erklärung auf. Eine eigentliche Rehabilitation von Maurice Bavaud habe nie stattgefunden. Die Bundeskanzlei veröffentlichte am 7. November 2008 eine Erklärung des damaligen Bundespräsidenten Pascal Couchepin. Darin heisst es, aus heutiger Sicht hätten sich die Schweizer Behörden zu wenig für den Verurteilten eingesetzt und von einer Intervention gegenüber den deutschen Behörden abgesehen. Bavaud habe wohl das Verhängnis, das Adolf Hitler über die ganze Welt gebracht habe, vorausgeahnt und verdiene damit unsere Erinnerung und Anerkennung.
Der begabte Architekt Le Corbusier war ebenfalls Bürger des Kantons Neuenburg. Am 31. Oktober 1940 schrieb er in einem Brief an seine Mutter: „Wenn es ihm mit seinen Ankündigungen ernst ist, kann Hitler sein Leben mit einem grossartigen Werk krönen: der Neugestaltung Europas.“ Faschisten lobten Corbusiers Werk, seine städtebaulichen Konzeptionen würden die tiefsten Gedanken des Faschismus ausdrücken, seine „Cité radieuse“ sei eine Umsetzung des faschistischen Programms. Zu seinen Freunden gehörte Marcel Bucard in Vichy, Gründer des rechtsextremen Mouvement franciste.
Maurice Bavaud hat man damals im Stich gelassen, seine mutige Tat ging beinahe für immer vergessen. Das Abbild Corbusiers findet sich heute auf jeder Zehn-Franken-Banknote. In Bern gibt es einen Le-Corbusier-Platz, in Genf eine „Rue Le Corbusier“. Im Gedenken an Maurice Bavaud und alle weiteren Opfer des Hitler-Faschismus wäre es angebracht, mit der Benennung eines Maurice-Bavaud-Platzes an prominenter Lage in Zürich nunmehr ein Zeichen der Anerkennung zu setzen. 
 
Mitteilung an den Stadtrat
Dokumente: 2010_0426.pdf (81 KB)
Beschlussnummer: 624

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